Chancen durch YouTube: Kommunikation mit Patienten

YouTube für Patienten

YouTube ist das größte Videoportal der Welt. Die Plattform zählt zu den beliebtesten Social Media Diensten Deutschlands. Doch kennen Sie auch die größten Suchmaschinen der Welt? Was meinen Sie, welche Suchmaschinen und Anbieter von Suchmaschinen-Funktionen sind die Größten? Ganz klar: es sind die Algorithmen von YouTube, Google (beide gehören zum Alphabet Konzern) und Amazon – ja, auch Amazon kann mit seinen Funktionen als Suchmaschine angesehen werden und wird immer interessanter. Aber lassen Sie uns heute bei YouTube bleiben. Ich habe Ihnen fünf Tipps mitgebracht, die Sie bei Ihrer Planung des Kanalaufbaus beachten sollten.

Als YouTube im Jahr 2005 gegründet wurde, hatten Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim sicher eine Vision. Dass diese aber einmal in einem solchen Ausmaß Wirklichkeit werden würde, damit hatten die drei wahrscheinlich erst einmal nicht gerechnet. Über die letzten 15 Jahre sind Videos in unserem Alltag immer wichtiger geworden. So wichtig, dass der TV-Konsum drastisch abgenommen hat und es nichts Neues mehr ist, dass immer weniger Personen das Fernsehprogramm aktiv einschalten. Die Fernsehindustrie, Produktionsstätten und Vermarktungshäuser von Werbeminuten stehen hier vor gewaltigen Aufgaben. Kurze Videos, Inhalte speziell auf meine Anforderungen zugeschnitten – das ist es, was Nutzer suchen und konsumieren möchten.

YouTube – mehr als Entertainment

Wer YouTube als ein Medium ansieht, bei dem es ausschließlich um Bespaßung und Zeitvertreib geht, der ist, so hart es an dieser Stelle auch klingen mag, wohl im Jahr 2010 stehengeblieben. Über YouTube lassen sich inzwischen auch hochwertig produzierte Inhalte ausspielen. Produktionen mit großen Etats, speziell für YouTube erstellt. Und: auf der Plattform wird Wissen vermittelt. Entertainment spielt zwar eine Rolle und ist für das Bestehen und das weitere Wachstum der Plattform essentiell (vgl. die Bereiche Gaming, Technik etc.); Informationen sind aber ein sehr großer Bestandteil, den Nutzer täglich konsumieren und die Inhalte nicht mehr missen möchten. Dies haben inzwischen auch ARD, ZDF, WDR, SWR und Co. verstanden. Die öffentlich rechtlichen Anstalten betreiben eigene Channels und stellen Nachrichten, Dokumentationen, Reportagen und vieles mehr zur Verfügung.

Kanäle, die sich mit “Wissen” beschäftigen, haben alleine in Deutschland zum Teil mehr als 800.000 Follower (vgl. Dinge Erklärt – Kurzgesagt). Fitness und Ernährung sind Themen, die hierzulande eine große Beliebtheit erlangt haben. Und der Thematik “Gesundheit” widmete sich Dr. Wimmer bereits vor einigen Jahren. Er produzierte sie in Hamburg, stellte sie auf YouTube online und baute sich eine eigene Community auf. Inzwischen ist der Arzt auf zahlreichen anderen Kanälen zu sehen und widmet sich hier in kurzen Blöcken Fragestellungen, die Betroffene interessieren könnten. Einige andere “Gesundheits-Kanäle” haben sich die vergangenen Jahre ebenso an YouTube versucht. Doch hat das bisher wirklich funktioniert? Zum Teil ja, zum anderen Teil nein. Und genau das ist schade. Mal wieder sehen wir, dass wir uns im Bereich der Gesundheitskommunikation fünf Jahre weiter hinten befinden. Fünf Jahre in Verzug. Und eben dies muss nicht weiterhin so sein! Daher möchte ich Ihnen an dieser Stelle einmal fünf Ratschläge mit auf den Weg geben, die Sie in Ihrer täglichen Arbeit unterstützen sollen. Sehen Sie die Punkte als Inspiration und machen Sie sich am besten eigene Notizen zu den jeweiligen Punkten.

YouTube als Chance für die Kommunikation mit Patienten – 5 Tipps

Tipp Nummer 1: Definieren Sie Ihre Ziele und Ihre Strategie

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, sich bereits vor Produktionsbeginn darüber im Klaren zu sein, welche Ziele Sie mit der Produktion und der Veröffentlichung verfolgen. Machen Sie sich Gedanken, wen Sie erreichen möchten. Handelt es sich ausschließlich um Betroffene? Sollen auch Angehörige oder zusätzlich Gesundheitsinteressierte erreicht werden? Um welches Produktionsform soll es sich handeln? Auch hier gibt es unzählige Arten der Umsetzung. Interview-Situationen, in denen ausschließlich der Patient zu sehen ist, Gespräche mit Einblendungen des Moderators, Interviews zwischen einem Arzt und einem Patienten, Vorstellungen von Selbsthilfegruppen, animierte Erklärvideos in 2D oder 3D, der Einsatz eines Green-Screens usw. Nicht zuletzt sollten Sie daran denken, dass Ihre Überlegungen für das Projekt in ein und dieselbe Richtung gehen – das heißt: bleiben Sie erst einmal bei einem Stil – bei einer Bildsprache. Werfen Sie nicht alles durcheinander, sondern konzentrieren Sie sich auf eine Richtung. Für Besucher, die sich näher mit Ihrem Kanal beschäftigen ist der Wiedererkennungswert besonders bedeutend. Und dies geling Ihnen nur, wenn Sie sich bereits frühzeitig mit eben diesen oben beschriebenen Fragen auseinanderzusetzen.

Tipp Nummer 2: Der Zeitplan ist entscheidend

Immer wieder erlebe ich bei Produktionen, dass der Zeitplan nur sehr schwer eingehalten werden kann. Hierbei spreche ich vom Zeitplan der Neuveröffentlichungen. Das liegt auf der einen Seite an den Freigabeprozessen, durch die man viel Potenzial verliert. Anderseits aber auch insbesondere daran, dass eine Produktion beauftragt wird, sich danach aber erst einmal nichts mehr weiter auf dem Kanal tut. Komme ich als Nutzer aber auf YouTube und stoße auf Ihren Kanal, so möchte ich nicht nur zwei, drei oder vier Videos sehen, sondern mich möglichst umfassend über das Thema erkundigen. Sind also nur wenige Inhalte vorhanden, so springen Nutzerinnen und Nutzer schnell ab und landen womöglich bei einem Ihrer Mitbewerber, um sich dort weiter zu informieren. Hat dieser nun eine Antwort auf genau die Frage, die den Patienten interessiert, so haben Sie leider den Kürzeren gezogen. Es ist also wichtig, dass Sie sich bei der Frage des Zeitplans Gedanken machen, wie viele Produktionen Sie planen und wann diese veröffentlicht werden.

Der Algorithmus von YouTube ist daran interessiert, dass Sie natürlich möglichst häufig neue Inhalte veröffentlichen. Aber bitte nicht auf einmal! Produzieren Sie Ihre Inhalte so, dass sie zum Beispiel wöchentlich auf Ihrem Kanal erscheinen. Sorgen Sie dafür, dass eine Regelmäßigkeit zu erkennen ist und der Algorithmus merkt, dass Sie immer und immer wieder für neue Inhalte auf der Plattform sorgen -am besten immer zum gleichen Zeitpunkt. Gerade hier lassen sich bereits einige Fehler vermeiden.

Tipp Nummer 3: Der richtige Kanalaufbau

Haben Sie sich nähere Gedanken über die Strategie gemacht, so geht es nun um den Kanalaufbau. Hier geht es darum, dass Sie den Kanal idealerweise an Ihre bereits vorhandene Corporate Identity anpassen. Eine Idee, die möglich ist, aber nicht immer gewählt werden muss. Dies hängt natürlich von Ihrer Strategie ab. Zeigen Sie YouTube und Ihrer Zielgruppe, dass Sie sich Gedanken über den Aufbau des Kanals machen: erstellen Sie Content zur Vorstellung des Kanals, binden Sie Ihre Website in der Infobox ein, verlinken Sie auf Ihr Impressum oder hinterlegen Sie es am besten direkt bei YouTube. Überlegen Sie sich, welches Video Kanalbesucher sehen, die zum ersten Mal auf Ihre Inhalte treffen – und welchen Content Personen ausgespielt bekommen sollen, die bereits zwei- oder mehrmals bei Ihnen zu Gast sind. Achten Sie auf: Thumbnails, Titel, Beschreibungen, Verlinkungen, Hashtags, geospezifische Einbindungen / ggf. Metadaten und weiters. Hier kommt es darauf an, dem Algorithmus möglichst die Informationen zur Verfügung zu stellen, die für einen guten Kanalaufbau wichtig sind.

Lassen Sie mich an dieser Stelle bitte noch einmal einen wichtigen Punkt aufführen: überlegen Sie sich, wie Sie als internationales Unternehmen mit dem Thema Kanalaufbau umgehen. Haben Sie spanischsprachigen, englischsprachigen und deutschen Content? Planen Sie die Veröffentlichung auf einem gemeinsamen Unternehmenskanal? Ist dies wirklich die richtige Entscheidung? Sowohl YouTube als auch Ihre Nutzer werden die Entscheidung wahrscheinlich nicht gut finden; aus einem verständlichen Grund: Interessiere ich mich als deutschprachiger User für deutsche Videos, so möchte ich auf dem Kanal nicht anderssprachigen Content, oder sogar Double Content finden. Dies kann auch für den Algorithmus und das Crawling durch Ihren Kanal schädlich sein. Versuchen Sie dies unbedingt zu vermeiden. Überlegen Sie sich, welches Vorgehen hier am besten ist und wie Sie mit dem Thema “mehrsprachige Inhalte” umgehen möchten. Auch hier gibt es Möglichkeiten, die deutlich besser geeignet sind und die Ihnen eine bessere Reichweite bringen. Machen Sie es aber von Anfang an richtig.

Tipp Nummer 4: Ausbau des Kanals

Einmal angefangen, so ist der stetige Ausbau des Kanals wichtig. Wie immer im Leben profitieren diejenigen, die sich immer und immer wieder einem Thema annehmen, neue Inhalte zur Verfügung stellen und am Ball bleiben. Zwei Videos in einem Jahr – das lohnt sich für den Aufbau eines YouTube-Kanals einfach nicht. Hier sollten Sie andere Wege gehen und die Videos anderweitig veröffentlichen. Möchten Sie einen YouTube-Kanal aufbauen und stets an Reichweite gewinnen, so gelingt Ihnen dies nur, wenn Sie langfristig denken – über einen Zeitraum von zum Beispiel zwei Jahren. Lassen Sie mich Ihnen an dieser Stelle ein Beispiel geben: Sie lesen eine Zeitung und möchten diese abonnieren. Dies machen Sie nur, wenn die Zeitung auch regelmäßig in Ihrem Briefkasten liegt und nicht nur einmal zwei Wochen, dann mal wieder in vier Wochen, dann wieder die kommende Woche darauf usw.

Achten Sie weiter darauf, dass Sie auch hier YouTube wieder möglichst viele Informationen über Ihr Video zur Verfügung stellen. Ich spreche dabei von Untertiteln, der Einbindung von Umfragen, Abspann-Inhalten usw. Nutzen Sie die Funktionen, die Ihnen eine der größten Social Media Plattformen zur Verfügung stellt. Halten Sie die Nutzer auf YouTube, lassen Sie sie möglichst nicht auf andere Websites abwandern. Denn: Je länger Ihnen dies gelingt und je mehr sich die Besucher Ihres Kanals auf YouTube bewegen, desto positiver wird Sie der Algorithmus auch bewerten. YouTube möchte als Plattform, dass User sich genau hier aufhalten – für einen möglichst langen Zeitraum – und eben nicht auf eine andere Website “verschwinden”.

Tipp Nummer 5: Ganzheitliche Planung und Einbindung von Anzeigen

Die Produktion von Videos erfordert meist höhere Budgets. Das ist ganz klar – Videoproduktionen mit mehreren Personen vor Ort und im Schnitt sind teurer als Text-Content. Aber ebenso klar ist auch, dass über das audiovisuelle Kommunikationsmedium Informationen und Emotionen besser übertragen werden können. Die Planung Ihres YouTube-Auftritts sollte ganzheitlich sein und meiner Meinung nach auch die Frage beantworten, wie Sie mit dem Thema Anzeigenschaltung und ggf. dem crossmedialen Kommunikationsmix umgehen. Denn bedenken Sie: mit Medizin- und Gesundheitsthemen können wir uns nicht mit Beauty- oder Auto-Kanälen vergleichen. Personen suchen meist erst nach Informationen, wenn Sie die Diagnose bereits durch einen Facharzt gestellt bekommen haben. Sie haben also nicht hunderttausende Klicks, sondern dürfen sich bereits über wenige hundert oder tausend Aufrufe freuen. Um die Reichweite zu steigern kann es dann sinnvoll sein, wenn Sie in Ihrem Vorgehen bereits zu Beginn Anzeigen-Budgets eingeplant haben. Meiner Meinung nach gibt es nichts schlimmeres als Content zu produzieren, diesen zu veröffentlichen und dann zu hoffen, dass sich der Rest von alleine erledigt. Gerade am Anfang ist dies nahezu unmöglich – ggf. gelingt dies, wenn Ihr Video viral geht – aber auch diese Chance ist im Gesundheitsbereich sehr schwer erreichbar. Anzeigen, das Einbetten von Videos, PR-Maßnahmen, das Teilen Ihrer Inhalte und viele weitere Faktoren sind also wichtig, damit Ihr Kanal bekannter wird. Überlegen Sie sich dies von Anfang an.

Fazit: Darum eignet sich YouTube für die Kommunikation gegenüber Patienten

YouTube bietet hervorragende Möglichkeiten, um sich als Unternehmen Patienten zuzuwenden und Fuß zu fassen. Sie sehen, dass es nicht nur auf die Produktion der Inhalte ankommt, sondern auch darauf, wie Sie mit den Videos anschließend umgehen. Lassen Sie uns gerne miteinander sprechen, wenn Sie weitere Informationen benötigen. Die einzelnen Absätze auf dieser Seite enthalten unheimlich viele Key-Facts. Ich hoffe dieser Einblick hilft Ihnen, sich dem Thema etwas anzunähern. Während der vergangenen Jahre habe ich mich mit meinem Team neben der Produktion auf den Auf- und Ausbau von YouTube-Kanälen spezialisiert. Zu 100% wird keine Agentur und kein YouTuber den Algorithmus jemals verstehen. Aber es gibt einige Dinge zu beachten, die sich positiv auf Ihren Kanal auswirken!

Herzliche Grüße aus Bonn, erfolgreiche Überlegungen und einen guten Start ins Wochenende,
Ihr
Denis Wolff


Schreiben Sie mir Ihre Meinung gerne via E-Mail, kontaktieren Sie mich telefonisch, schicken Sie mir eine Anfrage bei Xing oder sprechen Sie mich auf einem der kommenden Fach-Kongresse an. Ich freue mich über den Austausch sowie über spannende Projekte und Zusammenarbeiten!