Adhärenz in der Patientenkommunikation von Unternehmen

Adhärenz: Mann informiert sich über seine Erkrankung im Internet

Guten Morgen zusammen. Dass das Thema Adhärenz für die gesamte deutsche Gesundheitsversorgung ganz oben auf der Agenda steht, ist nichts Neues. Für diejenigen, die mit dem Begriff erst einmal wenig anfangen können, eine kurze Erläuterung:

Adhärenz kommt aus dem lateinischen von adhaerere = anhängen. Vereinfacht gesagt versteht man darunter die Verhaltensintensität einer Person, wie sie ihre Arzneimittel-Medikation, ihren Hilfsmittel-Gebrauch oder ihren Lebensstil an die Empfehlungen ihres Therapeuten anpasst. Adhärenz wird auch häufig mit dem Begriff Therapietreue in Verbindung gebracht.

Betroffene, die adhärent sind, haben höhere Chancen auf einen positiven Therapieausgang als Personen, die sich nicht an die Vorgaben ihres Therapeuten halten. In Bezug auf das Beispiel der Medikamenteneinnahme bedeutet dies: nehmen Patienten verordnete Tabletten regelmäßig(er) ein und haben sich mit Ihrer Erkrankung auseinandergesetzt, so steigt auch die Wahrscheinlichkeit des Therapieerfolges. Eine gute Adhärenz entspricht also dem entschlossenen Befolgen des mit dem Therapeuten vereinbarten Behandlungsplanes. 

Von einer gesteigerten Adhärenz profitiert das gesamte Gesundheitssystem – doch wie ist es mit der Sozialökonomie?

Die Adhärenz ist sowohl für den individuellen Betroffenen von Bedeutung – ebenso aber auch für das gesamte Gesundheitssystem. Nicht zuletzt, da sich hierdurch auch Kostensenkungen in der Therapie erzielen lassen. Doch so schön die Erfolgsaussichten auch klingen mögen, die Steigerung der Therapietreue von Patienten ist seit jeher ein heiß diskutiertes Thema, über das sich leichter sprechen lässt, als es in Realität aussieht. Denn Faktoren wie die Sozialökonomie beeinflussen die Adhärenz: Armut, Analphabetismus, ein niedriges Bildungsniveau, Arbeitslosigkeit etc. spielen hierbei eine Rolle. Und auch die Entfernung zu medizinischen Versorgungseinrichtungen ist ein Punkt. Patienten, die einen kürzeren Weg zum Therapeuten haben oder ihn durch den Einsatz von digitalen Lösungen leichter erreichen, sind mit erhöhter Wahrscheinlichkeit therapietreuer. Liegt eine gute Beziehung zwischen Patient und betreuender Person vor, so wirkt sich dies auf die Einhaltung des Medikationsplans aus. Komplexe Medikamentenregime oder eine lange Behandlungsdauer sind auf der anderen Seite dafür verantwortlich, dass die Aussichten auf eine erfolgreiche Therapie sinken. Weitere Informationen von der WHO auch im Bericht: Adherence to Long Term Therapies

Sind digitale Medien dazu in der Lage die Therapietreue von Patienten zu steigern?

Ja, natürlich! Wer sich über seine Erkrankung informiert, ist therapietreuer. Ob via Print oder Online sei erst einmal dahingestellt. Fakt ist: Personen, die sich mit ihrer Diagnose auseinandersetzen und sich informieren, sind adhärenter.

Der Einsatz digitaler Medien macht dann Sinn, wenn sich die Bevölkerung zunehmend den technischen Kommunikationsmitteln annimmt und diese im Alltag auch nutzt. Nun, nachdem sich das Internet die vergangenen dreißig Jahre in unserer Gesellschaft etabliert hat und wir mit Smartphones und Allnet-Flatrates in Metropolen und auch in ländlichen Gebieten stets erreichbar sind, sind die digitalen Medien das ideale Werkzeug, um einen positiven Einfluss auf die Adhärenz zu haben. Auf welche Weise dies gelingt, das ist von Indikation zu Indikation unterschiedlich. Und wie oben beschrieben auch von sozioökonomischen Faktoren, die nicht unterschätzt werden dürfen. Denn auch, wenn Sie diesen Beitrag über XING oder ein anderes Netzwerk gefunden haben, sich womöglich täglich mit den Themen “Gesundheit / Hilfsmittel / Pharma / Medizin” auseinandersetzen – der absolute Großteil der Bevölkerung macht eben genau dies nicht.

Der falsche Schritt wäre nun zu der Überlegung zu kommen, sich genau aus diesen Gründen nicht weiter mit dem Thema Adhärenz auseinanderzusetzen. Texte, Videos, Podcasts, Patientenbegleitprogramme, Apps und vieles Weitere sind Therapiebestandteile, mit Hilfe derer sich die Aussichten auf einen Therapieerfolg steigern lassen. Wo hunderte Millionen Euro in die Erforschung neuer Wirkstoffe oder Hilfsmittel fließen, genau da sollte die Therapietreue mit bedacht werden. Und ja, dies wird bisher natürlich auch schon gemacht – meiner Meinung aber noch in einem deutlich zu geringen Ausmaß. Budgetkürzungen, die sich am Ende auf das Patientenwohl auswirken, sind nicht von Vorteil. Von einer gesteigerten Adhärenz profitieren wir alle – Verordner, auch die Industrie, Krankenkassen – und letztlich jeder einzelne Patient. Nur die Umsetzung und das Erreichen eines möglichst großen Teils unserer Bevölkerung, dies ist die Aufgabe, vor der alle beteiligten Akteure auch gemeinsam in Zukunft stehen. Ja, gemeinsam!

Herzliche Grüße aus Bonn, erfolgreiche Überlegungen und einen guten Start in die neue Woche,
Ihr
Denis Wolff


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